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Knieschmerzen verstehen – und was Sie selbst tun können

15. Oktober 2026/in Unkategorisiert

Von Rolandas Janušas, MD, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie · Stand: Oktober 2026

Das Knie schmerzt, die Ursache liegt oft woanders. In meiner Praxis sehe ich immer wieder Menschen, die seit Wochen auf ihr Knie schauen – und bei der Untersuchung zeigt sich, dass Hüfte, Rücken oder die Art, wie sie gehen und sitzen, einen grossen Anteil haben. Andere kommen mit einem Bild aus dem MRI und viel Sorge, obwohl der Befund ihre Beschwerden nur zum Teil erklärt.

Dieser Artikel soll Ihnen helfen, Ihre Knieschmerzen besser einzuordnen, sinnvoll selbst etwas zu tun und zu erkennen, wann Sie ärztliche Hilfe brauchen.

Wichtig: Dieser Text stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Wo genau tut es weh?

Die Lage des Schmerzes gibt erste Hinweise:

  • Vorne, um oder hinter der Kniescheibe: häufig Reizung hinter der Kniescheibe (patellofemorales Schmerzsyndrom) oder an der Patellasehne. Typisch beim Treppabgehen, in der Hocke oder nach langem Sitzen.
  • Innen, etwas unterhalb des Gelenkspalts: oft eine Reizung am Pes anserinus, dem Ansatz mehrerer Sehnen. Auch Arthrose und Meniskusschäden zeigen sich häufig innen.
  • Aussen: bei Läuferinnen und Läufern oft das Tractus-iliotibialis-Syndrom («Läuferknie»), ein Reibeschmerz an der Aussenseite.
  • Hinten in der Kniekehle: manchmal eine Baker-Zyste – eine Flüssigkeitsansammlung, die meist Folge einer anderen Reizung im Gelenk ist.

Welche Ursachen sieht der orthopädische Blick?

  • Überlastung: zu viel, zu schnell, zu einseitig – etwa nach einer plötzlichen Steigerung beim Laufen oder Wandern.
  • Arthrose: Sie ist mehr als «Abnutzung des Knorpels». Betroffen ist das ganze Gelenk – Knorpel, Knochen, Gelenkkapsel, Bänder und Muskulatur –, und entzündliche Vorgänge spielen mit. Typisch sind Anlaufschmerzen, die nach einigen Schritten besser werden, und Phasen, in denen das Knie anschwillt.
  • Meniskus: Bei Jüngeren reisst er meist bei einer Drehbewegung. Ab etwa 40–50 Jahren sind degenerative Risse ohne Unfall häufig – und oft gar nicht die Ursache der Schmerzen.
  • Bandverletzungen: nach Unfällen, mit Instabilität oder Wegknicken.
  • Entzündliche Ursachen: etwa rheumatische Erkrankungen, Gicht oder Pseudogicht (CPPD, Ablagerung von Kalziumkristallen). Das Knie ist dann oft plötzlich warm, gerötet und geschwollen.
  • Ausstrahlende Schmerzen: Eine Hüftarthrose zeigt sich nicht selten zuerst als Knieschmerz. Auch eine Reizung der Nervenwurzeln L3/L4 an der Lendenwirbelsäule kann in Oberschenkel und Knie ausstrahlen.
  • Bei Kindern und Jugendlichen: Knieschmerzen mit Hinken können von der Hüfte kommen, zum Beispiel bei einer Epiphysiolyse (Abrutschen der Wachstumsfuge am Hüftkopf). Das muss rasch abgeklärt werden.

Ich erlebe oft, dass die Abklärung vor allem aus einem guten Gespräch und einer sorgfältigen Untersuchung besteht. Bildgebung ist nicht immer nötig, und nicht jeder Befund im Bild erklärt den Schmerz.

Welche anderen Perspektiven gibt es?

Lucerna verbindet bewusst mehrere Blickwinkel. Neben dem orthopädischen Blick, meinem Fachgebiet, beschreibt Lucerna auch Sichtweisen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sowie Beobachtungen von Gesicht und Zunge. Die TCM fragt zum Beispiel, ob Schmerzen bei Kälte und Nässe stärker werden oder wie es um Schlaf, Verdauung und Energie steht.

Diese Beobachtungen ergänzen das Gespräch: Sie lenken den Blick auf Lebensstil und Allgemeinbefinden. Sie sind keine Diagnose und ersetzen keine Untersuchung des Knies.

Was können Sie zu Hause tun?

  1. In Bewegung bleiben, dosiert. Gehen auf ebenem Boden, Velofahren mit wenig Widerstand oder Schwimmen sind meist gut verträglich. Ein leichter Schmerz während der Bewegung ist in Ordnung, wenn er am nächsten Tag nicht stärker ist.
  2. Oberschenkel stärken. Im Sitzen das Bein strecken und fünf Sekunden halten; langsam von einem Stuhl aufstehen und wieder absitzen; an der Wand eine leichte Kniebeuge halten – nur im schmerzfreien Winkel.
  3. Hüfte und Füsse einbeziehen. Seitliches Beinheben im Liegen und stabiles Schuhwerk entlasten das Knie.
  4. Gewicht im Blick behalten. Jedes Kilo weniger entlastet das Knie pro Schritt um etwa 4 kg.
  5. Meist Wärme – mit Ausnahmen. In den meisten Fällen ist Wärme angenehmer und sinnvoller, zum Beispiel mit einer Infrarot-Wärmematte. Wärme fördert die Durchblutung und lockert die Muskulatur. Ausnahmen: Bei einem frischen akuten Trauma kurz kühlen; ein heisses, gerötetes, geschwollenes Knie (z. B. Gicht, aktivierte Arthrose, Infekt) nicht wärmen, sondern abklären lassen. Nach Eingriffen halten Sie sich bitte an die Anweisungen Ihres behandelnden Teams.
  6. Alltag anpassen. Langes Knien und tiefe Hocke vorübergehend meiden, nach langem Sitzen kurz aufstehen.
  7. Schlaf und Stress ernst nehmen. Wer schlecht schläft und unter Druck steht, empfindet Schmerzen stärker.

Schmerzmittel nehmen Sie bitte nur kurzfristig und nach Rücksprache mit Apotheke oder Arzt.

Wann sollten Sie sofort zum Arzt?

Gehen Sie sofort zum Arzt oder auf die Notfallstation, wenn:

  • Sie beim Unfall einen Knall gehört haben und das Knie rasch anschwillt (Hinweis auf Kreuzbandriss),
  • Sie das Bein nach einem Sturz nicht mehr belasten können oder es fehlgestellt ist,
  • das Knie heiss, gerötet und geschwollen ist, besonders mit Fieber oder Schüttelfrost,
  • das Knie plötzlich blockiert,
  • die Wade einseitig geschwollen, warm und schmerzhaft ist (Verdacht auf Thrombose) – kommen Atemnot oder Brustschmerz dazu, rufen Sie sofort den Notruf 144 (in der EU 112),
  • Taubheit, Kribbeln, Schwäche oder Kälte im Unterschenkel oder Fuss auftreten,
  • ein Kind oder Jugendlicher hinkt und über Knie- oder Hüftschmerzen klagt.

Lassen Sie es abklären, wenn die Schmerzen nach zwei bis drei Wochen trotz Selbsthilfe nicht besser werden, immer wiederkehren, nachts zunehmen oder mit ungewolltem Gewichtsverlust einhergehen.

Was, wenn Selbsthilfe nicht reicht?

Dann folgt eine ärztliche Abklärung: Gespräch, Untersuchung von Knie, Hüfte und Rücken, bei Bedarf Bildgebung oder Labor. Die wichtigste Säule bei den meisten Knieschmerzen ist gezielte Physiotherapie mit Kraft- und Koordinationstraining – auch die Leitlinien zur Kniearthrose stellen Bewegung und Training an erste Stelle.

Je nach Befund kommen auch regenerative Verfahren infrage. Heute ist es möglich, mit folgenden Ansätzen zu behandeln – jeweils erst nach individueller Abklärung:

  • PRP (plättchenreiches Plasma): Aus Ihrem eigenen Blut wird ein Konzentrat gewonnen und ins Gelenk gespritzt. Für PRP bei Kniearthrose gibt es die meisten Studien unter den regenerativen Verfahren; die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich.
  • Exosomen: winzige Bläschen, mit denen Zellen Signale austauschen. Sie werden als mögliche Unterstützung der Gewebeheilung untersucht. Die Forschung steht noch am Anfang, grosse Langzeitstudien fehlen.
  • Stammzellen: Zellen, die sich in verschiedene Gewebe entwickeln und Heilungsvorgänge beeinflussen können. Erste Ergebnisse sind interessant, die Studienlage ist aber noch begrenzt und uneinheitlich.

Ehrlich gesagt: Kein Verfahren wirkt bei allen gleich, und keines ist ein Wundermittel. Ob ein regenerativer Ansatz für Sie sinnvoll ist, lässt sich nur nach einer individuellen Abklärung beurteilen. Besprechen Sie Chancen, Grenzen, Risiken und Kosten offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Eine Operation ist nur bei bestimmten Befunden sinnvoll.

Häufige Fragen

Soll ich bei Knieschmerzen Sport machen?

Meist ja, angepasst. Gelenkschonende Bewegung und Krafttraining helfen den meisten. Pausieren Sie bei Warnzeichen und nach frischen Verletzungen.

Brauche ich ein MRI?

Nicht immer. Oft reichen Gespräch und Untersuchung. Ein MRI ist sinnvoll, wenn der Befund die Behandlung verändert, etwa nach Unfällen oder bei Blockaden.

Ist ein Meniskusriss immer ein Grund für eine Operation?

Nein. Besonders degenerative Risse ab 40–50 Jahren werden meist zuerst mit Training und Physiotherapie behandelt.

Kann Knieschmerz von der Hüfte kommen?

Ja. Hüftarthrose und Nervenreizungen der Lendenwirbelsäule strahlen oft ins Knie aus. Bei Kindern mit Hinken muss die Hüfte rasch untersucht werden.

Soll ich mein Knie kühlen oder wärmen?

In den meisten Fällen ist Wärme angenehmer und sinnvoller, zum Beispiel mit einer Infrarot-Wärmematte. Ausnahmen: Bei einem frischen akuten Trauma kurz kühlen; ein heisses, gerötetes, geschwollenes Knie (z. B. Gicht, aktivierte Arthrose, Infekt) nicht wärmen, sondern abklären lassen.

Hilft Abnehmen wirklich?

Ja. Jedes Kilo weniger entlastet das Knie pro Schritt um etwa 4 kg.

Was ist die Lucerna-Analyse?

Lucerna ist eine Online-Auswertung, die ich entwickelt habe. Sie beantworten einen kurzen Fragebogen zu Ihren Beschwerden und können auf Wunsch Befunde sowie Fotos von Gesicht und Zunge hochladen. Die Auswertung wird mit künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und fasst Ihre Angaben in etwa 6 Minuten aus mehreren Perspektiven zusammen – dem orthopädisch-schulmedizinischen Blick sowie beschreibend Sichtweisen der TCM und Beobachtungen zu Gesicht und Zunge –, ergänzt um Fragen für Ihr Arztgespräch.

  • Kosten: Die Auswertung ist kostenpflichtig, ab CHF 6 bzw. EUR 6.50 oder USD 7.50 je nach Land; weitere Perspektiven können dazugebucht werden.
  • Keine ärztliche Prüfung: Ihre Angaben und die Auswertung werden nicht persönlich von einer Ärztin oder einem Arzt geprüft.
  • Datenschutz: Fotos von Gesicht und Zunge sowie Angaben zu Beschwerden sind Gesundheitsdaten. Wie wir sie schützen, lesen Sie in der Datenschutzerklärung.

👉 Mehr erfahren auf lucerna.care

Bitte beachten: Die Lucerna-Analyse und dieser Artikel stellen keine Diagnose und ersetzen keinen Arztbesuch.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): S3-Leitlinie «Prävention und Therapie der Gonarthrose», AWMF-Register-Nr. 187-050, Version 5.0, Stand 12.07.2024, gültig bis 11.07.2029. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-050
  • National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management (NG226), veröffentlicht 19.10.2022. https://www.nice.org.uk/guidance/ng226
  • Rheumaliga Schweiz: Arthrose. https://www.rheumaliga.ch/wissen/diagnosen/arthrose.html

Interessenkonflikt: Der Autor hat Lucerna entwickelt und bietet die genannten regenerativen Verfahren in seiner Praxis an.

Lucerna: Beschwerden ganzheitlich verstehen

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